12. Februar 2015

Visuelles Storytelling

Storytelling: Das Gehirn liebt Geschichten (c) Bryant Arnold - www.cartoonaday.com

Storytelling: Das Gehirn liebt Geschichten
(c) Bryant Arnold – www.cartoonaday.com

Powerpoint-Präsentationen scheinen für das Publikum inzwischen mehr eine Drohung als ein Versprechen zu sein. Statt die Zuhörer mit Text zu erschlagen, nutzen Sie die Chance zum authentischen visuellen Storytelling!

Das große Thema Storytelling haben wir schon in einigen älteren Posts beleuchtet. Meist ging es dabei darum, Unternehmensbotschaften über Text, Bilder oder Video zu vermitteln. Im Gegensatz dazu hat die Präsentation die einzigartige Möglichkeit, im Wortsinn „eine Geschichte zu erzählen“: ein Mensch erzählt, viele hören zu.

Seit Präsentationsprogramme wie Powerpoint oder Keynote auf praktisch jedem Computer liegen, ist es üblich geworden, Reden mit visuellen Hilfsmitten zu halten. Meist beschränken sich diese „visuellen Hilfsmittel“ aber nur auf die bloße Existenz von Folien. Die Rede mit Folien heißt dann Präsentation.

Auf die Augen – Visuelles Storytelling

Üblicherweise füllt ein Präsentator seine Folien mit Stichpunkten, Absätzen und Diagrammen, die den wesentlichen Inhalt der Präsentation enthalten. Viele Präsentatoren schreiben viel Text auf ihre Folien. Zu viel. Viel zu viel. Die Chance, Wort und Bild zu einer Geschichte zu verbinden, nutzen sie selten. Das gilt im Übrigen auch für PR-Agenturen und PR-Pitches. Obwohl wir wissen müssten wie es geht, sind Präsentationen von PR Leuten häufig mit Text überfrachtet.

Das Problem ist so verbreitet wie bekannt. Es hat bereits einige alternative Ansätze provoziert. Ein humorvoller ist das so genannte „Powerpoint-Karaoke“: Hierbei halten Menschen eine Präsentation nach Folien, die sie noch nie zuvor gesehen haben. Dies funktioniert natürlich dann besser, wenn sich auf den Folien viel Text befindet. Und mit etwas Alkohol im Blut – wie bei der gesungenen Karaoke auch.

Ein anderer, ernsthafterer Ansatz ist Pecha Kucha (jap. „Stimmengewirr“). Dieses Präsentationsformat aus Japan nutzt die automatische Weiterschaltung von Folien in Präsentationsprogrammen: Das Programm wird so eingerichtet, dass alle 20 Sekunden die nächste Folie erscheint; zudem ist festgelegt, dass eine Präsentation genau 20 Folien haben muss. Damit ergibt sich eine Präsentationslänge von 20 mal 20 Sekunden, also 6:40 min. Wir empfehlen jedem, das mal auszuprobieren – es trainiert und verbessert den eigenen Stil.

Beide Ansätze zeigen, dass Bedarf besteht, die gegenwärtige Präsentationskultur zu ändern und visuelles Storytelling nicht nur auf Videos zu beschränken.

Besser als der Rest

Der Überdruss an üblichen Präsentationen lässt sich aber auch als gute Nachricht verstehen. Denn es ist relativ leicht, sich als Präsentator vom Wettbewerb abzusetzen. Damit dies gelingt, muss man sich nicht einmal der strengen Pecha Kucha-Struktur unterwerfen.

Stattdessen muss der Präsentator nur im Vorfeld einige grundsätzliche Überlegungen anstellen. Was tut das Publikum, wenn die Folien einer Präsentation voller Text sind? Das, was es offensichtlich tun soll: lesen. Und sofern es sich nicht um ein Publikum aus Zweitklässlern handelt, liest es schneller, als der Präsentator reden kann und „wartet“ dann, bis er endlich da ankommt, wo das Publikum schon lange ist. Zudem nimmt das Publikum gezwungenermaßen zwei Arten von Inhalt gleichzeitig auf – gesprochen und gelesen. So verunklaren sich beide gegenseitig.

Ein geistig waches Publikum wird sich zudem fragen, was der Präsentator überhaupt auf der Bühne tut, wenn er offensichtlich nichts anderes kann als Folieninhalte vorzulesen – lesen kann das Publikum schließlich auch ohne fremde Hilfe.

Was also empfiehlt sich, um diese Irritationen zu vermeiden? Zunächst einmal sollten wir uns an die beiden Gehirnhälften erinnern, die wir in einem früheren Storytelling-Post vorgestellt haben: die eine Hälfte verarbeitet Sachinformationen, die andere ist für die Gefühle zuständig.

Auf die Ohren

Ein guter Präsentator nutzt seine visuellen Hilfen so, dass sie keine zusätzlichen Informationen enthalten. Stattdessen setzt er sie so ein, dass sie Emotionen verstärken, die er als Redner beim Publikum hervorruft. Folien, die das können, enthalten jeweils einzelne Bilder, einzelne Worte oder maximal einen ganzen Satz, die die Botschaft des Redners emotional unterstreicht.

Damit das funktioniert, muss der Redner natürlich erst einmal wissen, was denn seine Botschaft ist und dann dazu gute, klare Bilder finden oder notfalls aufnehmen (lassen). Allein die passenden Bild-Ideen zu entwickeln, kann harte Arbeit sein.

Anschließend muss er seine Bilder in gute, klare Folien verpacken. Zu dieser Art visuellen Storytellings schadet es nicht, über Grundkenntnisse in Typographie und Graphik-Design zu verfügen. Zwei führende Experten auf dem Gebiet der Präsentationsgestaltung sind Nancy Duarte und Garr Raynolds. Beide sind sich darin einig, dass Einfachheit in Bezug auf Präsentationen die höchste Form der Raffinesse sei. Daher haben beide umfangreiche Tipps zusammengestellt, wie man einfache, aber um so wirkungsvollere Folien erstellt.

Aber auch in einem weiteren Punkt sind sich die beiden einig: Folien sind immer nur Beiwerk. Das Entscheidende ist, wie gut der Präsentator seine Botschaft kennt, seine gut er seine Rede aufgebaut hat und das Publikum anzusprechen weiß. Sprich: ein guter Redner ist. Und eine Möglichkeit, ein guter Redner zu werden, hatten wir ja auch schon mal vorgestellt.

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