17. Juni 2013

Meine webinale 2013 – ein Resumée

Webinale 2013 in Berlin Foto: Stefan Munko

Webinale 2013 in Berlin Foto: Stefan Munko

Gastbeitrag von Stefan Munko, Blogger und PR- und Social Mediaberater in Hamburg

Nach dem Klassentreffen der Branche, der re:publica Anfang Mai in Berlin, war die webinale 3.-5.Juni 2013 also der zweite Kongress Digitalschaffender in kurzer Zeit

Mit dem maritim pro arte in Berlin war man dieses Mal in einer klassischen Konferenzumgebung. Bis zu 7 Räume davon 2 Säle, das reichte für die Teilnehmerzahl gut aus. Den Auftakt machte am Montag Prof. Wolfgang Henseler, Gründer und Managing Creative Director des Offenbacher Designstudios Sensory Minds, der aufzeigte wie Apps, Tablets und smarte Medien unsere Wirtschaft, unser Leben und unsere Gesellschaft verändern werden – eine “Trendreise in die Welt des Webs von morgen“ wurde versprochen und es wurde eine. Er skizzierte das Bild einer intermedialen Welt, in der das Analoge und das Digitale miteinander verschmelzen. Es gelte, nicht mehr nur Schwarz-Weiß zu denken, sondern alle Facetten zu betrachten. Denn alles vernetze sich – global und lokal. Der gesamte Vortrag ist hier zu sehen.

Was vorhanden sein muss, bevor eine App entsteht

Den Rest des Vormittags verbrachte ich in einem Workshop zur „Genese einer App“. Referent Christoph Kolb von Creative Lab führte uns durch die Phasen von der ersten Idee bis zum Punkt, wo Feinkonzept und Programmierarbeit beginnen würden. Gleich zu Beginn lernten wir: „Apps sind Lösungen. Vor jeder Lösung steht ein Problem. Vor jedem Problem steht die Erkenntnis.“ Zwar existierten zu jedem Problem unendlich viele potenzielle Wege – und die meisten davon seien eher nicht auf direktem Weg sondern über Umwege zum Ziel. Christoph Kolb alias @eightslashnine teilte uns in zwei interdisziplinäre Gruppen aus Webdesignern, Technikern und Kommunikationsleuten ein und führte uns von ersten Lösungen, die wir für ein selbstformuliertes Problem gefunden hatten, zum ersten Layout für eine weiterzuentwickelnde App, die dieses spezielle Problem mit einem der möglichen Lösungswege löst. Hier ging es vor allem darum, zunächst auch unwahrscheinlich klingenden Lösungen in einem kreativen Prozess zu formulieren und sich später auf eine zu einigen. Die Gruppe mit der besseren Idee wollte er zum Kaffee einladen – am Ende gingen wir alle mit ihm zu Starbucks in der Friedrichstraße. Diesen schönen Vortrag habe ich daher verpasst aber wozu gibt´s slideshare: Management Brainfucks „Wie erkläre ich einem klassischen Manager, warum Programmierer effizienter werden, wenn sie mit zwei Leuten an der gleichen Aufgabe sitzen? Warum ein Programmierer in 14 Stunden täglich nicht mehr schafft als in 8, warum ein Team schneller wird, wenn man das Programmiergenie entfernt.“

Vielfältige Fachvorträge zu Responsive Design

Teilnehmer des Spezialtages „Responsive Design Day“ oder der PHP-Konferenz befassten sich mit Themen wie „In sieben Schritten zur erfolgreichen Tabletwebsite“ – nachzulesen auf der webinale Website und bei @webmag. Ich lenkte meine Schritte zum „Startup Day“ und hörte das nicht zu vernachlässigenden Thema „Recht und Steuer-Basics für Startups“. Florian Resatsch, radcarpet – nach eigenen Angaben “Europe’s largest location Based Ad network” und gerade frisch von Strier übernommen, erzählte aus seiner langjährigen Erfahrung zum Teambuilding. Es überrascht nicht, dass Wertschätzung von Ideen, Goodies wie free lunch oder eine insgesamt kreative Atmosphäre mehr für die Motivation tun, als rein monetäre Kompensation. Seine überragende Startup-Praxiserfahrung beruht auf der Gründung gleich mehrerer Startups: NFC, friendticker und dealomio. Im anschließenden Vortrag „Sales: Verkauf oder stirb“ skizzierte Marco Borchers (@marcob29) von 6000 Kelvin Consulting, dass Startups nach dem Verkauf der Idee weiter voll auf die Bedürfnisse der angepeilten Kundengruppen setzen müssen. Alex Napetschig Co-Founder von Klash weihte uns ein, warum Bootstrapping wichtig für Apps in der frühen Phase ist. Höhepunkt des ersten Tages war die Vorstellung von 8 Venture Captital-Gebern. So sagte Christian Nagel von earlybird „Wir suchen Firmen, die globaler Marktführer werden können“ – außerdem lernten wir „Die besten Deals werden an der Bar gemacht“ und dass Berlin in Sachen Nähe zu möglichen Kapitalgebern – wer hätte das gedacht – gerade die Nummer 1 in Deutschland und vielleicht sogar Europa sei. Anwesende Startup-Gründer nutzen die Chance, ihren Elevator-Pitch dem anwesenden VC-Kapital von rund einer Milliarde Euro vorzustellen, so zum Beispiel einer der Gründer von www.neulich.de.

Was löst shitstorms aus?

Der nächste Tag begann für mich wegen Freelancer-Arbeit erst mittags mit der Jetzt: keynote von Prof. Bernhard Pörksen „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“. Starker Einstieg: Einer seiner Studenten hat den Rücktritt von Horst Köhler im April 2010 ausgelöst. Carta listet hier sehr detailliert die Ereignisse auf, die zum Rücktritt von Köhler führten. Davon ausgehend stellt Prof. Pörksen folgende Thesen auf:

1. These: Es versendet sich nichts mehr. Informationen wandeln sich zu „Zombie-Informationen“ und können im Nachhinein Skandale auslösen.

2. These: Das Publikum hat eine neue Macht. Früher gab es drei Schritte, um Normverletzung öffentlich zu machen: Ein Ereignis, das die Journalisten erreicht, die als Gatekeeper fungieren, Journalisten, die die Notverletzung öffentlich machen und schließlich die Reaktion des Publikums.

Diese drei Schritte würden nun umgedreht. Das Publikum – hier ein Student in Tübingen – kann Themen setzen. Das Empörungsangebot wird von klassischen Medien aufgegriffen. Der Skandal weitet sich aus.

Vom Diktat der Relevanz zum Diktat der Interessantheit

Man könne zusammenfassen, die neuen Enthüller führen von einem massenmedialen Diktat der Relevanz zu einem Diktat der Interessantheit. Ein gutes Beispiel wie schnell ein Shitstorm entstehen kann, nennt er auch das Beispiel von der jungen Frau, die im Sommer 2012 zurecht die altbackene Werbung der Lufthansa mit einem Frauenbild der 50er Jahre kritisierte und dazu einen Proteststurm anfachte.

Später lernten wir noch von Björn Eichstädt (@storymaker), warum der Kontext in digitaler PR eine so große Rolle spielt und was die Essenz guten Webdesigns ist: „Eine Seite ist gut, wenn man nichts mehr weglassen kann“. In der abschließenden Keynote lernten wir von Joana Breidenbach von betterplace.org den Trend: Karma statt Kohle kennen, nicht mehr Geld sondern eigener (Arbeits-)einsatz spielt im Volunteering eine Rolle. Außerdem sei „Microvolunteering“ ein Thema – also das Helfen auch mit kurzen Einsatzzeiten, online oder auf andere Weise mit geringem Einsatz als ein Helfer am Deich von Lauenbrück. Zusammengeführt werden Micro volunteers zum Beispiel auf sparked.com.

Die Zusammenfassung des für alle Leser sehr interessanten „Social Media Day“ an Tag 3 der webinale liefern wir Euch dann in Kürze in einem separaten Blogbeitrag.

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